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Die Idee, Wildtierlebensräume als „Hubs“ zu organisieren – also als zentrale Knotenpunkte für Migration, Nahrungssuche und Fortpflanzung – ist in den letzten Jahren zu einem Schlüsselmotiv des modernen Artenschutzes geworden. Doch während die Theorie gut klingt, fehlt es an praktischen Beispielen, die zeigen, wie solche Konzepte wirklich umgesetzt werden. Wildhub.jetzt ist ein Projekt, das genau hier ansetzt: Es verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit lokalen Initiativen, um nachhaltige Wildtier-Hubs in Europa zu etablieren. Doch was genau steckt hinter diesem Ansatz und warum könnte er der Schlüssel für das Überleben bedrohter Arten sein?

Die Wissenschaft hinter den „Hubs“: Warum Migration entscheidend ist

Studien zeigen, dass viele Wildtiere – von Rehen über Wildschweine bis hin zu Fledermäusen – ihre Lebensräume nicht statisch betreten, sondern in komplexen Netzwerken zwischen verschiedenen Standorten pendeln. Diese Migrationsmuster sind oft auf natürliche „Hubs“ wie alte Wälder, Flussauen oder Bergspitzen zurückzuführen, die als Treffpunkte und Rückzugsorte dienen. Doch durch die Fragmentierung der Landschaft – durch Straßen, Landwirtschaft oder Urbanisierung – werden diese Hubs zunehmend isoliert. Der Verlust solcher Knotenpunkte kann zu einem Kollaps der Populationsdynamik führen, wie die Beobachtungen an der Luchs-Population in den Alpen zeigen: Seit den 1990er-Jahren ist die Zahl der Tiere um über 50 Prozent zurückgegangen, teilweise wegen fehlender Durchgangswege für die Tiere.

Wildhub.jetzt setzt auf eine Gegenstrategie: Durch die Identifikation und Restaurierung von Wildtier-Hubs soll ein „Korridorkonzept“ geschaffen werden, das Migration erleichtert. Das Projekt arbeitet dabei eng mit Ökosystem-Managern zusammen, die gezielt Brückenbau-Projekte umsetzen – etwa durch Unterführungen unter Autobahnen oder die Wiederherstellung von Hecken als natürliche „Überquerungsstellen“. Ein konkretes Beispiel ist der „Wildschwein-Hub“ im Schwarzwald, wo seit 2018 ein Netz aus 300 Hektar Schutzgebieten geschaffen wurde, das Wildschweinen den Zugang zu neuen Futtergründen ermöglicht. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Seit der Einführung der Maßnahmen stieg die Population um bis zu 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Praktische Umsetzung: Wie Bürgerwissenschaft und Politik zusammenwirken

Doch der Erfolg von Wildhub.jetzt hängt nicht nur von wissenschaftlichen Studien ab, sondern auch davon, wie lokalisierte Initiativen und staatliche Maßnahmen ineinandergreifen. Ein zentraler Ansatz ist die Nutzung von Citizen-Science: Durch Apps und Sensoren können Bürger:innen Daten zu Tierbewegungen sammeln, die dann in Echtzeit an Wissenschaftler:innen weitergeleitet werden. So entstand etwa das Projekt „WildHub Tracker“, das in den Niederlanden eingesetzt wird: Über eine mobile App können Nutzer:innen die Position von Rehen und Wildkatzen melden, was die Planung von Schutzmaßnahmen optimiert. Gleichzeitig fordern Aktivist:innen wie die „Wildtier-Hub-Initiative Deutschland“ in den Bundesländern, dass Kommunen mehr in Infrastruktur für Wildtiere investieren – etwa durch die Ausweisung von „Wildtierkorridoren“ in Bebauungsplänen.

  • Seit 2020 wurden in Deutschland über 2.000 Wildtier-Unterführungen an Autobahnen errichtet, die bereits 15 Prozent der Rehpopulation sichern sollen.
  • In der Schweiz hat die „Wildhub-Strategie“ seit 2017 zu einer 40-prozentigen Steigerung der Fledermaus-Populationen geführt, dank gezielter Rückzugsraum-Restaurierung.
  • Die Kosten für einen typischen Wildtier-Hub-Projekt (z. B. eine Heckenvernetzung) liegen bei unter 5.000 Euro pro Hektar, was ihn zu einer kostengünstigen Maßnahme im Vergleich zu klassischen Naturschutzprojekten macht.
  • Laut einer Studie der Universität Göttingen pendeln bis zu 80 Prozent der Wildschweine in ihrem Lebensraum zwischen verschiedenen Hubs, was zeigt, wie entscheidend ihre Vernetzung ist.
  • In Österreich wurden seit 2021 über 100 „Wildtier-Hubs“ in urbanen Gebieten geschaffen, die bereits zu einer 25-prozentigen Erhöhung der lokalen Vogelpopulation beitrugen.

Ein weiterer Hebel ist die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Durch die Förderung von Agroforstwirtschaft oder der Ausweisung von „Wildtier-Futterwiesen“ können Landwirte gleichzeitig ihre Erträge sichern und gleichzeitig Wildtier-Hubs schaffen. Ein Beispiel ist der „Wildhub-Bündnis“ in Bayern, wo seit 2021 über 500 Bauern mit einem Förderprogramm unterstützt werden, um Hecken und Baumreihen zu pflegen – mit dem Ergebnis, dass die Population von Rotwild in den betroffenen Regionen um bis zu 20 Prozent stieg.

Die Herausforderungen: Warum es noch nicht flächendeckend funktioniert

Trotz der vielversprechenden Erfolge gibt es noch große Hürden. Ein zentrales Problem ist die fehlende Standardisierung: Während einige Länder wie die Niederlande oder die Schweiz klare Richtlinien für Wildtier-Hubs haben, fehlt in vielen Regionen Deutschland und Österreich eine einheitliche Strategie. Zudem sind die finanziellen Mittel oft begrenzt, selbst wenn die Kosten pro Hektar relativ niedrig sind. Hier setzt Wildhub.jetzt an, indem es über eine Crowdfunding-Plattform gezielt lokale Initiativen unterstützt – etwa durch die Finanzierung von Sensoren für die Datenerfassung.

Ein weiteres Hindernis ist die politische Akzeptanz. Viele Kommunen weigern sich, Wildtier-Hubs in ihren Bebauungsplänen zu verankern, aus Angst vor Konflikten mit Anwohner:innen oder aus Unsicherheit über die langfristigen Auswirkungen. Um das zu ändern, setzt Wildhub.jetzt auf eine Kampagne, die die Vorteile der Hubs – etwa die Reduzierung von Verkehrsunfällen durch mehr Tierdurchgänge oder die Verbesserung der Biodiversität – in den Fokus stellt. Ein Beispiel ist die Kampagne „Hubs für alle“, die in München bereits zu einer Umwidmung von 20 Hektar Stadtfläche als Wildtier-Hub führte – mit der Folge, dass die Zahl der Vogelarten in dem Gebiet um 40 Prozent stieg.

Hier klicken, um mehr über die aktuellen Projekte und Fördermöglichkeiten zu erfahren.

Die Zukunft des Artenschutzes liegt möglicherweise in der Kombination aus wissenschaftlicher Forschung, lokaler Initiative und politischer Entschlossenheit. Wildhub.jetzt zeigt, dass es möglich ist, Wildtier-Hubs als zentrale Strategie zu etablieren – doch der Weg dorthin ist lang und erfordert die Zusammenarbeit aller Akteur:innen, von Wissenschaftler:innen über Landwirt:innen bis hin zu Bürger:innen. Nur so können wir verhindern, dass die nächsten Generationen von Wildtieren in einer fragmentierten Welt ohne funktionierende „Hubs“ überleben müssen.

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